öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger

Überspannungsschäden

Dieses Thema wird in der Regel leider nicht ganzheitlich bearbeitet, daher hier einige Hinweise, entstanden aus langjähriger Schadenpraxis:

Es gibt bei privaten und gewerblichen Gebäuden eine Vielzahl von "Eintrittsstellen" für eine Überspannung. Die meisten Schäden entstehen im Zusammenhang mit einem Gewitter und einem nahen Blitz.

Vom Grundsatz her sind die in den Normen definierten Blitzschutzzonen sinnvoll. Dabei soll erreicht werden, dass durch eine verteilte Schutzmaßnahme schrittweise die gefährliche Überspannung reduziert wird, bis ein tolerables Maß erreicht ist. Eine Überspannungsschutz-Einheit allein kann die gesamte zerstörerische Energie nicht ableiten.

  • Wenn man in locker bebautem Gebiet oder auf dem Land wohnt (evtl. mit Freileitungen), dann sind Schäden über die Stromversorgungsanschlüsse oft vorzufinden. In Städten eher seltener. Die Überspannungsschutz-Steckdosenleiste kann daher auf dem Land keinen ausreichenden Schutz bieten, in der Stadt eher.

  • Sehr häufig entsteht eine Überspannung auf der Teilnehmer-Anschlussleitung ("Telefonanschluss"), das führt bis zur Verbrennung der TAE-Buchse. Hierzu kann ich nur dringend entsprechende Schutzeinrichtungen empfehlen, die direkt am Hausübergabepunkt der Teilnehmeranschlussleitung angeschlossen werden müssen. Auf Grund des geringen Querschnitts dieses Kabels hält sich die Energie in Grenzen, eine Ableitung ist mit einer Einheit möglich.

  • Bei SAT-Antennen treten viele Schäden an LNB und Umschaltmatrix-Einheiten auf. Eine logische Konsequenz, da ein Blitz zum Boden hin verästelt und damit ein Blitzteilstrom in die Anlage eindringen kann.

  • Heizungssteuerungen werden oft "Opfer" von Gewittern mit einem zum Haus nahen Blitz. Die Außentemperaturfühler sind ideale Antennen, an deren Fußpunkt (in der Heizungssteuerung) sich die Spannung aufbaut. Überspannungsschutz-Komponenten (Varistoren in den Steuerungen wären schon nicht schlecht) sind nur seltenst vorhanden.

  • Die kapazitive und induktive Einkopplung in das Kabelnetz betrifft auch Telefonanlagen mit ausgeprägter Kupfer-Verkabelung. Hier wieder der Antenneneffekt und der Einkopplung über das elektromagnetische Feld des Blitzes. Daher empfehle ich beim Netzdesign die Nutzung von LWL-Verbindungsstrecken zwischen den Porteinheiten (diese gibt es für größere TK-Systeme wie auch für VoIP-Konzepte) und den Zentralen-Systemen, um Schäden möglichst räumlich zu begrenzen.