Genormte Messverfahren

Techniker kennen den Standard-Spruch: Wer viel misst misst Mist!

Das ist leider viel Wahres dran.

Die Verfahren (Wenner, Dreipunkt etc.) sind soweit genormt, die Industrie hat entsprechende Messgeräte im Lieferprogramm.

Das führt aber leider dazu, dass viele Prüfenden gar nicht genau wissen, WAS sie messen. Das jeweils verfügbare (auch geeignete ?) Gerät wird angeschlossen, es wird ein (meist digitaler) Wert angezeigt und dieser in einen Bericht übernommen. Ob überhaupt zutreffende Werte gemessen wurden, bleibt bei genauer Betrachtung vielfach offen.

Beispiel:

Der Fundamenterder eines größeren Objektes in eng bebautem Gebiet sollte auf Einhaltung der Werte gemessen werden. Dazu nutzte der Messende die Dreipunktmessung mit Sonden. Das Ergebnis war ein Widerstandwert von unter 1 Ohm. Die Schlussfolgerung: ein allerbester Fundamenterder!

Der Messende hat folgendes nicht bedacht:

Zur Messung des Fundamenterders müsste dieser isoliert werden, als Messverfahren eignet sich sehr gut der eingeprägte Strom (Prüftrafo) gegen einen bekannt niederohmigen Bezugspunkt (z.B. PEN des Energieversorgers).

Das Freischalten des Fundamenterders ist rein praktisch im Betrieb eines Objekts gar nicht mehr möglich. Also eine Messung, die physikalisch gar nicht mehr möglich ist.

Mein Appell:

Wenn Messungen durchzuführen sind, sollte der Messende verstehen, WAS er misst und WIE er dies ausführt. Nur so können Fehlmessungen vermieden werden.

Wer will sich schon auf zweifelhafte Messungen verlassen? Doch nur derjenige, der einen Beleg für die Ausführung einer Leistung benötigt ("Schein-Messung"). Einem Betreiber darf doch nicht egal sein, ob sein Objekt beispielsweise einen guten EMV-Status aufweist.