öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger

Erdung

Was gibt es zur Erdung besonderes zu schreiben, werden Sie denken, das ist doch alles genormt!

Genormt heißt nicht, das es richtig ausgeführt wird und auch funktioniert! Ein funktionierender Fundamenterder erfordert eine Verlegung des Erdungsbandes in einem Bereich des Betons, der sicher dauerhaft feucht ist. Ansonsten wäre der Fundamenterder in einem Isolator (trockener Beton leitet nicht) verlegt und damit unwirksam. Auch wird oft eine Kunststofffolie auf dem Erdboden verteilt, bevor das Armierungseisen aufgebaut wird. Einen besseren Isolator kann man kaum haben. Perimeterdämmungen tun ihr Übriges.

Das "Unheil" nimmt seinen Lauf: Stellen Sie sich also vor, wie wirkungsvoll die Erdung eines Gebäudes erfolgen kann, wenn der Fundamenterder in der Bodenplatte verlegt ist, allseits vom (nach einiger Zeit) ausgetrockneten Beton (heutige Top-WU-Betonsorten) umhüllt!  Eine Messung zum Zeitpunkt der Errichtung kann noch passable Werte ergeben, nach der Austrocknung wird der Fundamenterder zunehmend hochohmiger. Und das kann bei einem in Betrieb befindlichen Gebäude nicht mehr ohne komplette Freischaltung des Fundamenterders gemessen werden. Dazu muss die Spannung abgeschaltet werden, da ansonsten die Abschaltbedingungen nicht mehr eingehalten werden könnten (Personenschutz). Das Ausschalten eines in Betrieb befindlichen Gebäudes ist heute praktisch unmöglich.

Von den baulichen Mängeln bei der Ausführung des Fundamenterders wollen wir besser gar nicht sprechen. Kaum ein ausführender Handwerker kennt die Probleme, meist wird der Fundamenterder mit den Armierungsstählen verlegt. Die in den Normen vorgesehenen baubegleitenden Untersuchungen von entsprechenden Fachkräften werden aus Kostengründen meist unterlassen.

Gehen Sie also eher davon aus, dass Ihr Fundamenterder nicht funktioniert!

Führen Sie die Erdungsleitungen daher besser nach draußen ins Erdreich (Ringerder um das Gebäude verlegt, dann noch Vermaschung (z.B. auch mit Hochspannungsseilen) unter der Bodenplatte im Erdreich), dann hat die "Erde" auch nicht die Funktion des "Isolators" und kann optimal Blitzströme und hochfrequente Störungen ableiten. Und darauf kommt es schließlich an!

Aber halt: Sie haben gerade Ihre Anlage durchmessen lassen? WAS wurde denn gemessen? Wahrscheinlich die Durchgängigkeit der Ableiteinrichtungen, aber was nutzen diese, wenn der Blitzstrom zwar optimal abgeleitet werden kann, aber in Bodennähe "plötzlich" auf einen Isolator (Fundamenterder) trifft!? Dann kommt es zu unkontrollierten Überschlägen und Ausgleichströmen über den Fundamenterder. Damit sind die Schäden im Objekt wieder vorprogrammiert und nicht zu verhindern. Blitzströme über das PE-PA-System ermöglichen keine Ableitung mehr! Die Blitzstromsenke wird zur Quelle!