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Normenkonformität ist nicht gleich betriebssicher!

Es zeigt sich in der Schadenpraxis fast jeden Tag. Anlage sind nach Norm X errichtet, damit aber nicht zwangsläufig betriebssicher.

Die Trennung in verschiedene Gewerke bedeutet bei der Errichtung eines Gebäudes mit IT-Infrastruktur, dass im Extremfall jeder Unternehmer seine Arbeiten richtig ausführt, insgesamt die Stabilität des Betriebs aber doch nicht gewährleistet ist.

Es fehlt die übergreifende Behandlung des Themas.

Beispiel:

Für das Gebäude wird eine Fang- und Ableiteinrichtung zum Blitzschutz errichtet. Der Auftrag des Errichters dieses Gewerks endet beim Anschließen an die Erdungsfahnen, die aus dem Fundament herausgeführt sind (Fundamenterder). Mit der abschließenden Messung belegt der Unternehmer, dass dieses Gewerk Blitzableiteinrichtung normkonform errichtet wurde. Die Messung belegt, dass alle Übergangswiderstände normkonform niedrig sind. Der Erdübergangswiderstand wird in der Regel nicht oder falsch gemessen.

Soweit so gut.

Wenn nun diese Ableiteinrichtung wirklich einmal damit "beauftragt" wird, einen Blitzstrom abzuleiten, können die Probleme auftreten. Ist der Soll-Weg, den wir mit dieser Einrichtung dem Blitz bieten, auch in der Lage, die Blitzenergie auf möglichst direktem Weg ins Erdreich abzuleiten. Oder wird dann in Erdnähe festgestellt, dass der Anschluss am Fundamenterder de facto in einem Isolator endet (Fundamenterder in WU-Beton)? Dann ist es vorbei mit dem vorbereiteten Weg, der Blitzstrom wird eher über den Fundamenterder zum PEN-Leiter des Energieanschlusses fließen, damit ist die Blitzenergie in einem der stromführenden Leiter und kann zu den elektronischen Geräten durchdringen. Die Schäden sind vorprogrammiert. Oder es kommt zu undefiniertem Überspringen, all das, was man eigentlich mit der Anlage verhindern wollte.

Nur durch ganzheitliche Betrachtungen können diese Probleme vermieden werden. Diese müssten konsequent die Bauphase begleiten, eine technisch äußerst anspruchsvolle Aufgabe, die Geld kostet, aber schließlich der Betriebssicherheit der IT-Infrastruktur im Gebäude dient. Das nachträgliche Ertüchtigen eines Gebäudes kostet ein Vielfaches der Maßnahmen aus der Bauphase.