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DSL

DSL als Abkürzung für Digital Subscriber Line - Digitale Teilnehmeranschlussleitung - steht als Oberbegriff für eine schnelle Datenübertragung auf der "letzten Meile", der so genannten TAL - Teilnehmer-Anschlussleitung.

So toll die DSL-Produkte in der Werbung aussehen und so gut sie auch in der Praxis (meist) funktionieren, so gibt es doch diverse Probleme, die in der letzten Zeit vermehrt zu Rechtsstreitigkeiten geführt haben. Hierzu möchte ich einige Tipps geben.

Grundlagen

Es sind bei DSL-Übertragungsverfahren hohe Datenraten bei der Datenkommunikation bis über 20 Mbit/sec möglich. Damit ist es aber erforderlich, Frequenzen bis über 2 MHz auf der TAL zu nutzen, dazu ganz spezielle Übertragungsverfahren. Auf diese Technologien muss hier im Detail nicht eingegangen werden. Die physikalischen Gegebenheiten auf der TAL sind aber aus der Historie bedingt nicht gerade für derart hohe Frequenzen geeignet.

Der Nutzer errichtet sich ein kleines Netzwerk mit einem Router (z.B. mit eingebautem DSL-Modem) oder (als Einfachst-Version) eine direkte Verbindung über ein DSL-Modem in seinen Rechner. Man spricht dann von einer PPPoE-Verbindung die auf dem PC eingerichtet ist.

Beim Router-Einsatz werden in diesem Gerät alle Parameter der Verbindung eingetragen (Nutzername, Passwort etc.). Dazu bieten diese Geräte schon für geringe Kosten einen nicht zu unterschätzenden Schutz durch eingebaute Firewall-Funktionalitäten.

Bei der Einrichtung einer PPPoE-Verbindung auf dem Rechner besteht grundsätzlich eine höhere Gefahr von Hacker-Angriffen, wenn die (hoffentlich) eingebaute Firewall nicht richtig abblockt. Ein Hacker kommt immerhin bis auf den Rechner!

Ich empfehle übrigens immer den Einsatz von Routern, da diese mehr interne Freiheitsgrade aufweisen (einfacher Netzwerkzugang und LAN-Kommunikation, dazu ggf. WLAN) und insgesamt "narrensicherer" sind als die PPPoE-Verbindungen.

Das Gegenstück der Infrastruktur des Nutzers ist in der Regel in Räumlichkeiten der Deutschen Telekom AG installiert. Auf den so genannten Kollokationsflächen in den Teilnehmer-Vermittlungsstellen (TVSt) installieren die alternativen Netzbetreiber ihre Infrastruktur und erhalten vom „Besitzer“ der TAL, der Deutschen Telekom AG (Vermieter der kundenspezifischen TAL) den physischen Anschluss zur TAL, einer Kupfer-Doppelader. Die Lage der TVSt ist historisch bedingt und orientiert sich an der Verlegung des Kupferkabelnetzes, auf dem praktisch die gesamten Telekommunikationsdienste – mit Ausnahme der wenigen Glasfaseranschlüsse – realisiert werden.

Komponenten

Der Splitter am Kommunikationsanschluss eines Nutzers trennt die verschiedenen benutzten Frequenzen auf der Übertragungsleitung in der Form auf, dass sie den jeweils angeschlossenen Geräten zur Verfügung stehen. Der Splitter hat damit eine reine Filterfunktion.

Grafik: SV HJ Otto

Die nächste Komponente nach dem Splitter ist das Herzstück der DSL-Verbindung, das DSL-Modem. Diese Komponente ist für das Senden und Empfangen der DSL-Signale auf der TAL zwingend erforderlich. Die nachfolgende Grafik zeigt die infrastrukturellen Komponenten auf beiden Seiten der Verbindung:

Grafik: SV HJ Otto

Mit dem Einschalten der DSL-Infrastruktur beim Nutzer führen beide Modems (beim Nutzer und das Gegenstück in der TVSt) eine nachrichtentechnische Überprüfung des Frequenzgangs der TAL, der Rauschpegel und sonstiger Parameter durch. Diese Informationen sind erforderlich, um die nutzbaren Kanäle festzulegen. Einige Router mit eingebautem DSL-Modem (z.B. des Herstellers AVM) stellen diese Informationen dem Anwender auch zur Verfügung.

Erreichbare Übertragungsraten

Die Netzbetreiber können die Datenparameter der Übertragung auch bei guten Übertragungsstrecken dahingehend anpassen, dass nicht mehr genutzt werden kann, als im verkauften Produkt spezifiziert wird.

Die Reichweite ist direkt abhängig von der Leitungslänge, da diese maßgeblich die Dämpfung der Übertragungsstrecke bestimmt. Die Dämpfung bestimmt die nutzbaren Kanäle und damit die Übertragungsrate. Auch der Kabelquerschnitt hat also erhebliche Rückwirkungen auf die Dämpfungswerte des Kabels und die damit erreichbare Datenrate. Bei gleichem Produkt ist also der Datendurchsatz zwangsläufig niedriger, je weiter der Nutzer von der Vermittlungsstelle entfernt angeschlossen ist. Die Entfernung wird durch die wirklich verlegte Kabellänge und den eingesetzten Kabelquerschnitt bestimmt, nicht durch die Entfernung per Luftlinie.

Mangelhafte Leistungen

Das Nicht-Erreichen von bestimmten Übertragungsraten wird vielfach als "Mangel" bezeichnet und juristisch ausgefochten.

Es kann aus technischer Sicht bei einem DSL-Anschluss eindeutig nicht von einem Mangel oder einer mangelhaften Leistung gesprochen werden, wenn die nominelle Geschwindigkeit des Anschlusses nicht erreicht werden kann, weil die Entfernung zu groß ist. Der Begriff des Mangels ist hier also nicht juristisch gemeint. In den Produktbeschreibungen aller Netzbetreiber, die mit der DSL-Technologie Telekommunikationsdienstleistungen anbieten, wird darauf hingewiesen.

Unterbrechungen der DSL-Kommunikation

Für die Unterbrechung einer DSL-Verbindung gibt es eine Vielzahl von Möglichkeiten.

Nachfolgend sind einige der typischen Fälle aufgeführt:

1) Übersteigt die Dämpfung die festgelegten Grenzwerte für eine bestimmte DSL-Verbindung, so besteht die Möglichkeit, die Datenrate zu reduzieren. Dies geschieht automatisch während der DSL-Synchronisierung. Durch äußere Einflüsse kann es durchaus passieren, dass sich der Dämpfungswert nach einer erfolgten Synchronisierung so stark ändert, dass die Verbindung abreißt. In diesem Fall setzt sich das Modem nach einiger Zeit automatisch zurück und synchronisiert sich neu. Dieser Vorgang dauert einige Sekunden.

2) Steigt durch weitere Nutzer von DSL-Verbindungen in der Umgebung der Störpegel im Kabelbündel der TAL an (hier liegen teilweise bis zu 1000 Doppeladern in einem Kabel zusammen), so reicht der Signal-Rauschabstand, der bei der Aushandlung der Verbindungsparameter zu Grunde lag und die benutzten Kanäle beeinflusste, nicht mehr aus. Es kommt zu erhöhten Übertragungsfehlern, bis schließlich eines der beiden DSL-Modems (beim Nutzer oder in der TVSt) die Verbindung neu „aufsetzt“ und die übertragungstechnischen Parameter neu ausgehandelt werden. Hierbei findet ebenfalls eine merkliche Unterbrechung von mehreren Sekunden statt. Der SV hat bereits Zeiten von über 20 Sekunden beobachten.

3) Die Kommunikationsverkabelung im Haus des Nutzers ist „empfänglich“ für Störsignale. Damit können sich Störungen einkoppeln, die dann zu Unterbrechungen der Verbindungen führen, da die Synchronisierung zwischen den beiden DSL-Modems abbricht.

4) In der Kommunikationsverkabelung beim Nutzer kommt es auf Grund einer älteren Verkabelung zu Kontaktproblemen

5) Aus den Zeiten der volumenabhängigen Abrechung von Internet-Diensten entstammt die automatische Beendigung von Verbindungen bei Nicht-Nutzung. Diese erfolgt entsprechend der Standard-Einstellung meistens nach 5 Minuten, wenn diese Funktion aktiviert ist.

6) In eher seltenen Fällen kommt es zu Störungen auf der Teilnehmer-Anschlussleitung z.B. durch Straßenbahnen, wenn die Leitungsverlegung zumindest teilweise parallel erfolgt.

Insbesondere der Fall 2) tritt häufiger auf, als allgemein publiziert wird. Der Fall 5) ist als Trivialfall für unterbrochene Verbindungen anzusehen.

TIPP: DSL-Probleme sollten eher nicht juristisch ausgefochten werden. Wenn es offenbar nicht lösbare Probleme gibt, die Ihr Netzbetreiber nicht lösen kann oder will, so beantragen Sie doch über Ihren Rechtsanwalt bei Gericht ein Selbstständiges Beweisverfahren. Dieses kann relativ schnell erfolgen und man hat als Sachverständiger noch die Möglichkeit, einen Status aufzunehmen und Probleme festzustellen.

Bei derartigen Ortsterminen hat sich schon in vielen Fällen sofort eine Lösung erkennen lassen.